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Blog-Post

 

Nachtfalter - Inventar auf Combe Prunde

  • Urs
  • 22. Aug. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

In der Woche vom 22. - 29. Juli 2024 hat Maarten Vangansbeke aus Belgien auf Combe Prunde im Rahmen seines WWoofing-Aufenthalts bei uns die Nächte mit der Inventarisierung der Nachfalter verbracht. Sein Ziel waren 200 identifizierte Arten, was ich für unmöglich hielt, wenn man bedenkt, wie wenig Nachtfalter man im normalen Leben antrifft!


Einen grundlegenden Blogbeitrag zu den Nachtfaltern mit vielen Fotos haben wir bereits hier veröffentlicht. Heute geht es um die Inventarisierung und deren Resultat.



Methode der Inventarisierung

Damit man die Falter bestimmen kann, muss man sie natürlich erst anlocken. Dies erfolgt mit sogenannten Lichtfallen. Maarten hat zwei solche Lichtfallen mitgebracht.


Eine Lichtfalle besteht aus einer Kiste, die mit schräg ins Innere der Kiste laufenden Plexiglasplatten versehen ist. Die Platten ermöglichen einen einfachen Zugang, verhindern aber durch den relativ schmalen, tiefliegenden Spalt das fliehen der Nachtfalter, da diese sich eher gegen oben orientieren, wo sich das Licht befindet.


In der Box und rundherum werden Eierkartons ausgelegt, wo sich die Falter gerne niederlassen.

Das Innere der Lichtfalle
Das Innere der Lichtfalle

Maarten beim Aufstellen der Lichtfalle
Maarten beim Aufstellen der Lichtfalle

Die Lichtfallen arbeiten mit einer Quecksiberdampflampe, da diese ein breites Spektrum von Wellenlängen abdecken (einschließlich UV, Blau, Grün, und sogar ein wenig im roten Bereich), was sie für eine Vielzahl von Insektenarten attraktiv macht.

Es ist wichtig, dass die Fallen da aufgestellt werden, wo keine anderen künstlichen Lichtquellen wie z.B. Strassenlampen die Lichtfalle konkurrenzieren. Hier sei erwähnt, dass gerade die zunehmende Lichtverschmutzung ein grosses Problem für die Nachtfallter darstellt, da sie die Falter desorientiert und ihr Verhalten negativ beeinflusst.


Aufgestellt werden die Lichtfallen in der Abend-Dämmerung.

Lichtfalle in Betrieb
Lichtfalle in Betrieb

Oben im Bild wurde die Lichtfalle erst gerade eingeschaltet. Die Lampe ist noch am Aufwärmen. Wenn sie einmal die volle Leuchtkraft hat, ist sie so hell, dass die Augen Schaden nehmen können, wenn man direkt ins Licht schaut.


In der Nacht werden nun hunderte von Nachfaltern, aber auch andere Nacht aktiven Insekten angezogen und eine ganze Menge davon bleibt in der Box gefangen oder sogar auf den äusseren Eierkartons sitzen.

Wichtig ist, die Nachtfalter nehmen dabei keinen Schaden, sie verlieren einfach eine Nacht für Ihre Hauptaufgabe, die Fortpflanzung.


Am Morgen früh sind im Idealfall jede Menge Falter in der Box und auch ausserhalb auf dem Tuch und den Eierkartons. Dies hängt zu einem grossen Teil auch von den Wetterbedingungen und den Temperaturen ab. In einer warmen Nacht mit wenig Wind hat man die besten Chancen für eine volle Lichtfalle.


Die Bestimmung der Falter sollte früh, am besten noch vor der Dämmerung erfolgen. Mit der Dämmerung verliert die Lampe natürlich an Anziehungskraft und die Nachtfalter, mindestens diejenigen die nicht in der Box sind, fliegen wieder weg.


Jeder Falter wird nun von Maarten fotografiert und wenn möglich bestimmt. Den kleinen Teil, den er nicht direkt bestimmen kann, bestimmt er später zuhause mit seinen Bestimmungsbüchern.

Es kommt auch vor, dass die Art oder das Geschlecht nur mit einer Sezierung des Tieres bestimmt werden kann, weil sich die Arten so enorm ähnlich sind. Auf das haben wir verzichtet, weil wir den Wert dieser Information nicht über das Leben des Tieres stellen wollten.



Das Resultat

Das Resultat ist geradezu fantastisch, wenn man bedenkt, dass auch Nachfalter saisonale Geschöpfe sind und das Inventar nur die zeitliche Spanne einer einzigen Juliwoche umfasst.


283 Arten konnten zuverlässig bestimmt werden

26 Arten konnten nur auf Ebene der Familie bestimmt werden

6 Arten konnten nicht mit Sicherheit bestimmt werden


Hier die Resultate als PDF-Datei. Wer das Ganze gerne als Excel-Tabelle möchte, kann sich bei mir melden.



Wir werden versuchen, die nicht oder unsicher bestimmten Arten, wo ein Foto vorliegt, noch genau zu bestimmen. Genauso möchte ich gerne noch die Fotos zu den einzelnen Arten dazulegen, aber das ist eine zeitaufwändige Arbeit und wird wohl noch etwas dauern.



Haben wir seltene Arten gefunden?

Alle Nachfalterarten, von welchen ich selber Fotos gemacht habe, habe ich auf den Websites https://oreina.org/artemisiae/index.php (F) und https://lepiforum.org/wiki (D, A, CH)

auf ihre Verbreitung überprüft. Dabei zeigten sich einige bei uns gefundene Arten, die im Corrèze oder gar in Frankreich eher selten, selten oder gar nicht vorkommen. Man muss hier sicherlich erwähnen, dass der Nachtfalter nicht die meist beobachtete Tierart ist und die Daten zu den Vorkommen entsprechend dünn sind (vor allem im Corrèze). Diese dünnen Daten verteilen sich zusätzlich auf viele verschiedene Webseiten.


Zusätzlich ist es natürlich so, dass mit Sicherheit trotz sorgfältiger Arbeit auch der eine oder andere Bestimmungsfehler vorkommen kann. Sollte jemand der Meinung sein, dass ein Bestimmungsfehler vorliegt, kann er sich gerne bei mir melden.


Wir haben folgende ziemlich seltenen bis sehr seltenen Arten (bezogen auf Frankreich / Corrèze) inventarisiert:

Foto

Name Deutsch / Latein

Einstufung (F) Oreina.org

Vorkommen Corrèze

Brachmia inornatella

ausserordentlich selten

keine Meldung

Zierliche Röhricht-Goldeule Plusia putnami

sehr selten

letzte Meldung vor 1990

Graue Heidekrauteule Lycophotia molothina

selten

letzte Meldung vor 1986

Ginster-Streckfuss Dicallomera fascelina

ziemlich selten

letzte Meldung vor 1986

deutschen Namen nicht gef. eupoecilia angustana

ziemlich selten

letzte Meldung Juni 1995

Rotbraune Graseule Mythimna turca

ziemlich selten

letzte Meldung vor 1986

Glanzgras-Grasbüscheleule Apamea unanimis

ziemlich selten

keine Meldung !

Rotbraune Stängeleule Amphipoea oculea

ziemlich selten

letzte Meldung 2022

deutscher Name nicht bekannt Pyrausta nigrata

wenig verbreitet

letzte Meldung August 2000

Berg-Graseule Leucania comma

wenig verbreitet

letzte Meldung vor 1986

Pfeileule Acronicta psi

mässig verbreitet

letzte Meldung vor 1986

Kiefern-Knospentriebwickler Rhyacionia pinicolana

mässig verbreitet

keine Meldung

Kiefernschwärmer Sphinx pinastri

gut verbreitet

letzte Meldung 2001


Und hier noch ein paar Fotos:





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